Page 21 - Sport im Betrieb Dezember 2025
P. 21
Sport im BSV NRW
Serie: Eine Sportart stellt sich vor
Tischtennis
Na, das kennen wir ja. Das kommt doch Die erste Tischtennisweltmeisterschaft
bestimmt aus China. Nein, wieder waren wurde 1926 ausgetragen, entwickelte
die Engländer schneller. An denen sich aber allmählich zum asiatischen
kommt man einfach nicht vorbei. Aber Spiel. Bis auf wenige Ausnahmen kamen
der Reihe nach: seit 1954 alle Weltmeister im Herren-
Einzel sowie alle Weltmeister im Damen-
1874 reichte es dem englischen Adel
nicht mehr aus, Tennis zu spielen. Der Einzel aus Asien.
britische Major Walter Clopton Wing- Der Schläger ist meist oval und besteht
field dachte sich daher etwas Neues aus mehrfach geleimtem Holz. Es exis-
aus. Er entwickelte die Frühform Sphairistike, was auf griechisch tieren aber auch moderne Furniermaterialien. Beide Seiten müs-
„Lasst uns spielen“ bedeutet. Wie viele Spiele diente es zunächst sen unterschiedliche Farben haben, damit der Gegner eine Dre-
eher der geselligen Unterhaltung. Es wurde im Freien mit einem hung des Schlägers bemerken und damit auf die unterschiedli-
mit Flanell bezogenen Gummiball oder einer Korkkugel gespielt chen Oberflächen reagieren kann. Die Tischtennisplatte wird heu-
und wurde Lawn Tennis (Rasentennis) genannt. Da das englische te durch ein Netz in zwei Spielfelder getrennt. Die Oberfläche
Wetter aber nun mal nicht das Beste ist, verlagerte man aus muss dunkel sein und darf nicht reflektieren. Heute üblich sind
Feuchtigkeitsgründen das Spiel schnell in die Wohnung. Tische meist dunkelgrün oder blau. 2014 wurden die Zelluloidbälle durch
dienten als Tennisfeld. Eine Schnur trennte die beiden Felder. Kunststoffbälle ersetzt, die die Zelluloidbälle zu leicht entflammbar
Gespielt wurde wahlweise mit Federballschlägern, Bücher oder waren (Produktionsverbot seit 2018).
Bratpfannen. Es wurde erneut umbenannt in Raumtennis und gilt Die Spielregeln sind recht einfach. Der Ball darf auf jeder Spiel-
seither als die eigentliche Geburtsstunde des Tischtennis.
feldhälfte nur einmal aufschlagen. Nur beim Aufschlag darf bzw.
1875 veröffentlichte der englische Ingenieur James Gibb die ers- muss der Ball zuerst in der eigenen Hälfte aufkommen. Der Spie-
ten Spielregeln. 1891 war er es auch, der aus den USA bunte ler, der zuerst 11 Punkte erreicht, gewinnt den Satz. Allerdings
Zelluloidbälle mitbrachte. Die an Ballgeräusche erinnernde Be- nur, wenn er 2 Punkte Vorsprung hat. Alle zwei Punkte wechselt
zeichnung Ping-Pong wurde 1901 von Parker Brothers (ja, die mit das Aufschlagrecht (ab 10:10 nach jedem Punkt); nach jedem
Monopoly!) als Handelsmarke eingetragen und darf seitdem nicht Satz tauscht man die Spielfeldseiten. Je nach Spielklasse wird
mehr bei Wettkämpfen verwendet werden. Die erste nationale über 3 bzw. 4 Gewinnsätze gespielt. Manche Spieler stehen eini-
Meisterschaft fand jedoch in Ungarn statt. Über Japan, China und ge Meter von der Plattenkante entfernt, wenn es recht hitzig zu
Korea gelangte das Spiel dann nach Deutschland. 1901 wurde in geht. Der Ball kann dabei Geschwindigkeiten von bis zu 170 km/h
England die nationale Ping Pong Association gegründet. Wegen erreichen und sich bis zu 25 % verformen. Para Tischtennisspiele
der eben beschriebenen Namensrechte löste sich der Verein aber sind bei den Paralympics zugelassen und sehr beeindruckend.
bereits 1904 wieder auf.
In den 1950er und 1960er Jahren versuchten die USA und China,
Der Gummibelag mit Noppen kam 1902 dazu. Das erste internati- sich einander mit diplomatischen Mitteln anzunähern. Dies brach-
onale Turnier wurde 1902 in Wien ausgetragen. Eine Besonder- te aber nicht die erhofften Ergebnisse; erst als China während der
heit hierbei war, dass kein Kronleuchter über dem Spieltisch hän- Weltmeisterschaften 1971 die amerikanischen Spieler nach Pe-
gen durfte. Dieser hätte ja getroffen werden können. king einlud, folgte in weiteren Treffen auch mit Politikern eine
Verbesserung der Beziehungen. Heute ist dies als Ping-Pong-
Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich die Freizeitbeschäfti-
gung Ping Pong zum Wettkampfsport Tischtennis und verlagerte Diplomatie bekannt.
sich nach Mittel- und Osteuropa. Gaby Dölle
Sportlicher Humor
Ein Pfarrer und eine Nonne spielen Tischtennis. Nach einiger Zeit „Verd… daneben!“
schlägt der Pfarrer den Ball ins Aus. „Verd… Daneben!“ „Aber
Herr Pfarrer, Sie dürfen doch nicht fluchen!“ „Entschuldigung, Sie
haben ja recht!" Sie spielen weiter. Nach einiger Zeit geht es wie- Ein Mann soll sich auf Anraten des Arztes bewegen und be-
der daneben. Wieder ruft der Pfarrer: „Verd… Daneben!“ „Herr schließt, Tischtennis zu spielen. Nach einiger Zeit fragt man ihn,
Pfarrer“, warnt die Nonne. „Sie dürfen nicht fluchen! Sonst trifft Sie wie es läuft. „Gut! Wenn ich spiele und der Ball rasend schnell
der Zorn Gottes.“ „Ja, natürlich, Verzeihung!“ Aber es geht ein zurückkommt, sagt mein Gehirn: Los! Rückhand! Ans Netz!“ „Und
drittes Mal schief. „Verd… daneben!“ Ein Blitz, ein Donner, und dann?“ „Dann fragt mein Körper: Wer? Ich? Das ist doch nicht
die Nonne fällt tot zu Boden. Ein Stimme ist von oben zu hören: dein Ernst!"
SiB Dezember 2025 - 21

